Heute wollen nur noch wenige Leute für Musik bezahlen. Es gibt ja auch gute Gründe dafür, denn die meisten Songs sind im Internet als Gratis-Download verfügbar (ob legal oder illegal sei mal dahin gestellt). Auf der anderen Seite muss die Musik aber nach wie vor aufgenommen werden, was weiterhin viel Geld kostet, wenn es wirklich einwandfrei klingen soll. Die Tendenz zur elektronischen Musik und die immer grösser werdenden Möglichkeiten im Homerecording Bereich haben die Nachfrage nach professionellen Studioaufnahmen klar abgeschwächt und die Preise für Aufnahmetage gesenkt. Dennoch kann eine Studioaufnahme qualitativ natürlich noch nicht ersetzt werden. Gründe dafür sind beispielsweise die Raumakkustik oder die Auswahl an verfügbaren Mikrofonen. Ein solches Projekt kostet auch nach wie vor genug Geld, sodass man sich das auch heute nicht einfach so leisten kann.Aufgenommene Musik hat für einen Künstler oder eine Band immer noch einen grossen Stellenwert. Einerseits kann man sich auf diese Weise einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und andererseits können die Aufnahmen dazu verwendet werden, um sich bei Veranstaltern zu bewerben. Alle wollen die Musik hören, aber niemand will direkt für die aufgenommenen Songs bezahlen. Die aufgenommene Musik verkommt also immer mehr zum Flyer. Dennoch ist sie eine unabdingbare Investition für den Erfolg.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob in Zeiten in denen alle mit Ohrstöpseln in der lärmigen U-Bahn ihre MP3s hören nach wie vor die gleiche Qualität verlangt wird? In der beschriebenen Situation sicher nicht. Ansonsten ist es natürlich nach wie vor wünschenswert, dass die Musik gut klingt. Als unbekannte Band sollte man heute meiner Meinung nach jedoch versuchen möglichst kostengünstig ein gut klingendes Debüt Album aufzunehmen. Dann muss man Gigs so viele Gigs anreissen wie möglich, denn die Kohle fliesst in der heutigen Zeit mittels Live Auftritten und Merchandising.
Die digitale Revolution ermöglicht auch mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln qualitativ gute Aufnahmen. Die bekannte österreichische Band Guadalajara hat beispielsweise mit der Ausnahme von zwei Songs die gesammten Schlagzeugspuren mit Samples aufgenommen. Die Zeit und die Kosten im Studio kann man sich damit also sparen. Dafür sitzt man stundenlang vor dem Computer und bastelt an den Samples rum. Gitarrenaufnahmen kann man im Proberaum machen. Gute Mikrofone lassen sich ausborgen. Den Bass nimmt man über die DI-Ausgang auf. Für den Gesang muss man sich vielleicht etwas überlegen. Eine Gesangskabine ist aber auch selber zu bauen.
Lange Rede kurzer Si
nn: Eigenaufnahmen werden immer besser. Als unbekannte Band kann man selber schon extrem viel erreichen, wenn man seine Instrumente im Griff hat und sich mit dem Aufnahme-Equipment auskennt.